Neumarkt - Erste bayerische Fairtade Town

Fairtradetwowna
An der weltweiten Kampagne „Fair Trade Towns“ beteiligen sich bereits über 700 Städte in 18 Ländern, unter anderem in Großbritannien, Belgien, Österreich, Italien, USA und Australien. Seit Januar 2009 können sich auch deutsche Städte, Kreise und Gemeinden um den Titel bewerben. Als erste Stadt in Deutschland hat Saarbücken alle Kriterien erfüllt. In Bayern ist Neumarkt die erste Stadt, die die Auszeichnung „Fair Trade Stadt“ erhält.


neumarkt fairtrade town
Ist Geiz wirklich geil?
Sind Sie auch schon ein LOHAS? Oder wissen Sie noch nicht, dass Sie vielleicht einer sind? Immerhin gehören laut Trendforschern hierzulande bereits knapp 30 Prozent der Bevölkerung zu dieser neuen Konsumschicht.
Die LOHAS (Lifestyles of Health and Sustainability) markieren einen neuen Lebensstil und Kundentyp, der sich stark an Gesundheit und Nachhaltigkeit orientiert. Diese Menschen haben begonnen über ihr Leben, ihre Zukunft und ihren Lebensstil nachzudenken und sich dabei auch etwas
gönnen. Ein ethisches Verbraucherverhalten verbunden mit gesundem Umweltbewusstsein stellt einen zentralen Teil dieser Entwicklung dar.
Dem Anliege dieser positiven Entwicklung wird die internationale Kampagne „Fairtrade Towns“ gerecht, bei der nicht nur ein Einzelner über seinen Lebensstil nachdenkt, sondern eine gesamte Stadt.Ziel der Kampagne ist es, den Fairen Handel auf lokaler Ebene zu fördern und in das
Bewusstsein der Menschen zu bringen. Durch das Engagement in dem Zukunftsthema „Fairer Handel“ können Bürgerinnen und Bürger einen wichtigen Beitrag zu einer gerechteren Handelsordnung leisten. Gerade die Wirtschaftkrise hat gezeigt, dass der uneingeschränkte Glaube an das Wachstum auf tönernen Beinen steht. Der Faire Handel kann trotz Wirtschaftskrise Wachstumsraten vorzeigen. Koordiniert wird die Kampagne in Deutschland von TransFair, Verein zur Förderung des Fairen Handels mit der "Dritten Welt" e.V.

Wie wird man Fairtrade-Town?

Kriterium 1: Fair Trade Produkte im Rathaus
Es muss ein Beschluss der Kommune vorliegen, dass bei allen Sitzungen der Ausschüsse und des Stadtrates, im Büro des Oberbürgermeisters Fairtrade-Kaffee sowie ein weiteres Produkt aus Fairem Handel verwendet wird.
Erfüllung des Kriteriums in Neumarkt:
Der Verwaltungs- und Kultursenat der Stadt Neumarkt hat am 5. Mai 2009 einen
entsprechenden Beschluss gefasst. Aber auch bereits vor diesem Beschluss ist die
Stadt Neumarkt aktiv geworden. Im Rathaussaal wird zu Stadtratssitzungen sowie
bei öffentlichen Anlässen bereits seit 6 Jahren ausschließlich Kaffee aus fairem
Handel ausgeschenkt. Außerdem werden Geschenkkörbe, die die Stadt Neumarkt zu
Jubiläen verschenkt, vom „Eine Welt Laden“ mit Produkten aus fairem Handel bestückt.
Auch im Büro des Oberbürgermeisters werden Kaffee, Tee, Zucker, Orangensaft oder Plätzchen aus Fairem Handel verwendet. Selbstverständlich gibt es zu allen Sitzungen ausschließlich fair gehandelten Kaffee.

Kriterium 2: Steuerungsgruppe
Es wird eine lokale Steuerungsgruppe gebildet, die auf dem Weg zur „Fair-Trade-Stadt“ die Aktivitäten vor Ort koordiniert.
Erfüllung des Kriteriums in Neumarkt:
Die Steuerungsgruppe hat sich am 21. Juli 2009 im Bürgerhaus konstituiert. Sie setzt sich zusammen aus Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Neumarkt, der Vereine und Verbände, der Kirchen und der Geschäftswelt. Vorsitzende der Steuerungsgruppe ist Bürgermeisterin Ruth Dorner. Es sind zwei bis drei Treffen pro Jahr vorgesehen. Die erste Aufgabe der Steuerungsgruppe war es, die Erfüllung der Kriterien, die notwendig sind, den Titel „Fair-Trade-Stadt“ zu erlangen, zu überprüfen. Weiterhin hat die Steuerungsgruppe das Ziel, die „Eine Welt Aktivitäten“ in der Stadt Neumarkt zu bündeln und zu vernetzen, um die Bewusstseinsbildung für globale Zusammenhänge zu fördern.

Kriterium 3: Fair Trade Produkte im Einzelhandel
In den lokalen Einzelhandelsgeschäften werden gesiegelte Produkte aus Fairem Handel angeboten und in Cafés und Restaurants werden Fairtrade-Produkte
ausgeschenkt. Für Neumarkt mit 40.000 Einwohnern sind mindestens 8 Geschäfte und 4 Cafés/Restaurants erforderlich.
Erfüllung des Kriteriums in Neumarkt:
In Neumarkt bieten aktuell 15 Geschäfte Fairtrade-Produkte an. 9 Cafés und Restaurants setzen Fairtrade-Produkte ein. Durch die Auszeichung motiviert haben weitere Geschäfte und Cafes ihr Interesse angemeldet.

Kriterium 4: Fair Trade in Bildungseinrichtungen
In öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen werden Fairtrade-Produkte verwendet und es werden dort Bildungsaktivitäten zum Thema „Fairer Handel“ durchgeführt.
Erfüllung des Kriteriums in Neumarkt:
In Neumarkt verwenden 6 Schulen, 2 Kirchengemeinden und 2 Vereine Fair Trade Produkte und führen gleichzeitig Bildungsaktivitäten zum Thema „Fairer Handel“ durch. Durch einen speziellen „Lernzirkel- Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ legte der Neumarkter Eine Welt Laden schon immer eine großen Schwerpunkt auf eine gute Bildungsarbeit. Die Räumlichkeiten werden von der Stadt kostenfrei zur Verfügung gestellt. Jährlich werden dort 900-1000 Kinder und Jugendliche in Themen des Fairen Handels und weltweiter Gerechtigkeit eingeführt (www. eineweltladen.com).

Kriterium 5: Öffentlichkeitsarbeit
Die örtlichen Medien berichten über alle Aktivitäten auf dem Weg zur Fairtrade-Stadt. Es erscheint mindestens ein Artikel pro Quartal in der örtlichen Presse.
Erfüllung des Kriteriums in Neumarkt:
An der Berichterstattung zum Thema „Fairer Handel“ beteiligen sich alle örtlichen bzw. regionalen Medien, darunter die 2 Tageszeitungen, 3 Wochenzeitungen, ein Online-Dienst sowie das Regionalfernsehen und Radio.

Diese Auszeichnung ist im Kontext des jahrelangen Bemühens der Stadt Neumarkt um Nachhaltigkeit, fairen Handel und Agenda 21 zu sehen.
Weiter hat die Stadt Neumarkt i.d.OPf. im November 2008 bereits zum zweiten Mal die Auszeichnung als „Stadt der Weltdekade Bildung für eine nachhaltige
Entwicklung“ erhalten. Grundlage der erfolgreichen Bewerbung ist das Stadtleitbild „Zukunftsfähiges Neumarkt“ aus dem Jahr 2004. Als Ergebnis dieses
umsetzungsorientierten Stadtleitbildes unter Einbindung möglichst vieler Bürgerinnen und Bürger sowie von örtlichen Akteuren aus Gesellschaft, Verbänden, Vereinen und der Wirtschaft wurde in Neumarkt eine Orientierung geschaffen, um eine nachhaltige Entwicklung voran zu bringen. In Bezug auf die „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ wurden Leitsätze mit dem Titel "Neumarkt - Lernen für unsere Zukunft" festgehalten.
Neumarkt gegen ausbeuterische Kinderarbeit. Die Stadt Neumarkt i.d.OPf. hat am 6. Februar 2007 gemeinsam mit dem Eine Welt
Netzwerk Bayern die Fachveranstaltung „Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung“ durchgeführt. Darauf hin hat der Stadtrat Neumarkt am 23. Juli 2007
einen Beschluss „gegen ausbeuterische Kinderarbeit“ gefasst. Folgender Wortlaut wurde einstimmig verabschiedet: „Die Stadt Neumarkt wird im Beschaffungswesen und bei Ausschreibungen des eigenen Geschäftsbereichs künftig nur Produkte berücksichtigen, die ohne ausbeuterische Kinderarbeit im Sinne der ILOKonvention 182 hergestellt wurden bzw. Produkte, deren Hersteller oder Verkäufer aktive, zielführende Maßnahmen zum Ausstieg aus der ausbeuterischen Kinderarbeit eingeleitet haben. Dies ist durch eine Zertifizierung einer unabhängigen Organisation oder eine entsprechende Selbstverpflichtungserklärung nachzuweisen.
Gesellschaften mit städtischer Beteiligung werden aufgefordert, ebenso zu
verfahren.“

Die Verantwortlichen des Stadt Neumarkt, allen voran der Oberbürgermeister Thomas Thumann, verstehen die Auszeichnung als Ansporn auf diesem Wege weiter zu gehen und noch mehr Akteure für den Fairen Handel zu gewinnen. In der Auszeichnung sehen wir einen Ansporn auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen und dabei noch viele Bürgerinnen und Bürger in unserer Stadt vom Fairen Handel zu überzeugen.


Ruth Dorner, Bürgermeisterin
Rainbügl 4b 9231 Neumarkt
Tel 09181 905355
www.neumarkt.de
ruth.dorner@neumarkt.de